Die Autobranche verändert sich: das Zukunftsszenario für Autohersteller und Autohändler

Unter der Überschrift "Die Autoindustrie verändert sich rasant - folgen Sie den Entwicklungen?" haben wir in der letzten Ausgabe unseres Newsletters den ersten Artikel einer Serie veröffentlicht, in der wir uns damit befassen, welchen Veränderungen die Branche unserer Meinung nach gegenübersteht. In diesem Artikel werden mögliche Szenarien für Autohersteller und Autohändler näher beleuchtet. 
 
 
Die drei Hauptfaktoren für die Änderungen, die wir beobachten werden, wurden bereits im vorherigen Artikel erwähnt - Umwelt, Technologie und Verbraucherverhalten. Auf der Umweltseite haben die künftige Ressourcenknappheit bei fossilen Brennstoffen und der Wunsch von politischer Seite, die CO2-Emissionen weiter zu senken, dazu geführt, dass Benzin und Diesel künftig wohl keine Zukunft als Kraftstoff für Autos haben werden.
 
In diesem Punkt sind sich jedoch nicht alle Automobilhersteller mit den Politikern einig. Während Volvo angekündigt hat, keine neuen Verbrennungsmotoren mehr zu entwickeln, plädiert Daimler für die Weiterentwicklung der Dieseltechnologie. Der Glaube von Daimler an die Dieseltechnologie muss im Licht der neuesten technologischen Fortschritte gesehen werden, die Daimler selbst, aber auch Bosch auf diesem Gebiet erzielt haben. Ein weiterer interessanter Schritt ist die Entwicklung von 5-Takt-Benzinmotoren, die ebenfalls ganz neue Maßstäbe setzen. Ein Beispiel hierfür ist die Firma Ilmor. 
 
Nichtsdestotrotz hat die obige Entwicklung die Automobilindustrie in einen technologischen Wettbewerb getrieben, der aus mehreren Gründen äußerst herausfordernd wird. Erstens handelt es sich um viele Technologien, die für die Automobilhersteller relativ neu und ungetestet sind. Zweitens haben sich mehrere völlig neue Akteure im Wettbewerb zu Wort gemeldet - der bekannteste ist wahrscheinlich Tesla - und viele weitere sind im Kommen. Und drittens handelt es sich nicht nur um neue Antriebstechnologien, sondern auch um sehr komplexe und anspruchsvolle IT-Kenntnisse, die bei Elektroautos, Technologien für autonome Fahrzeuge, Car-Sharing-Lösungen und Konnektivität unerlässlich sind. 
Laut Thomas Furcher und Philipp Lühr von der Unternehmensberatungsfirma McKinsey, die nach einer gründlichen Analyse des Automobilmarkts in Europa Anfang dieses Jahres den Bericht "Eine langfristige Vision für die europäische Automobilindustrie" erstellt haben, werden die Automobilhersteller in den nächsten drei Jahren rund 340 neue Elektroautos vorstellen. Viele sehen hier ihre Chance und die Möglichkeit, ein Stück vom Kuchen abzubekommen, was die folgenden Zahlen von McKinseys Konsulenten belegen. Die Zahl der Start-up-Technologieunternehmen in der Branche hat sich versiebenfacht. 93 % der investierten Mittel stammen von Unternehmen außerhalb der Branche - z. B. Google und Intel. Die Zahl der Patentanmeldungen auf diesem Gebiet ist um 50 % gestiegen.
 
Laut den Analysen von McKinsey stehen die Automobilhersteller nicht nur technologischen Herausforderungen gegenüber, sondern auch das Verbraucherverhalten verändert sich radikal. 
  • Über 80 % der Verbraucher informieren sich vor dem Kauf online
  • 47 % haben sich aufgrund ihrer Online-Recherche bereits vor einem Händlerbesuch für eine Fahrzeugmarke und ein Modell entschieden
  • In China und Amerika ist die Konnektivität - also die im Auto verfügbaren Online-Dienste - heutzutage fast genauso viel oder sogar mehr wert als die Automarke - sowohl in der Luxus- als auch in der Standardklasse 
 
 
Zero Moment of Truth (ZMOT) ist der neue, zusätzliche "Schritt" im Kaufentscheidungsprozess der Kunden. Bei ZMOT geht es darum, dass Kunden nach Informationen und Bewertungen suchen und als Teil ihrer Kaufentscheidung einen Online-Dialog führen
 
Wir haben bereits gesehen, wie die meisten Autohersteller in den letzten Jahren das Händlernetz reduziert und sich auf die Einrichtung weniger großer Flagship-Stores konzentriert haben. Die Autohersteller werden versuchen, sich an die neuen Trends im Verbraucherverhalten anzupassen, was langfristig bedeutet, dass die Verbraucher in der Lage sein werden, direkt mit dem Autohersteller zu handeln. Autokäufe werden zunehmend digitalisiert, so wie es im Geschäftsmodell von Tesla bereits zu sehen ist. 
 
Tesla Flagship Store
 
Mit den oben erwähnten Entwicklungen im Hinterkopf liegt es nahe, die Frage zu stellen: sind in Zukunft überhaupt Autohändler nötig? Laut McKinseys Bericht lautet die Antwort Ja, aber die Autohändler müssen ihr Geschäftsmodell an die neuen Marktbedingungen anpassen und das Geschäft weitaus digitaler gestalten. Die Rolle der Autohändler wird sich von einer Quelle für Autos zu einem Kundenberater verwandeln. Laut McKinsey haben die Verbraucher folgende Prioritäten:
 
 
Autohändler werden also nicht nur Autos verkaufen, sondern auch Lösungen, um die Transportbedürfnisse der Verbraucher zu erfüllen. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen, dass die Anforderungen der Verbraucher in Bezug auf das Kauferlebnis sehr unterschiedlich sind. Wenn man alle Typen von Kunden bedienen möchte, sollte man in der Lage sein, ein Kauferlebnis anzubieten, das den folgenden fünf Hauptkategorien entspricht:
 
   
 
Der Kampf um die Kundenbindung ist in vollem Gang, und wenn man als Autohersteller oder Autohändler eine Zukunft haben will, muss man neu und innovativ denken. Nur vorausschauende und umstellungsbereite Unternehmen haben eine Chance - und der Markt für Autoverkäufe, wie wir ihn heute kennen, wird sich in vielerlei Hinsicht erheblich verändern. In unserer Artikelreihe werden wir das nächste Mal die zukünftigen Herausforderungen für den Großhandel und die Werkstätten unter die Lupe nehmen.